06 Wortwerk

⫸ Wortwerk

Ich stand in der untersten Halle der Bibliothek, wo zwischen Stahlpfeilern und Dampfventilen die Maschinen ihre Textstreifen auswarfen. Vor mir flackerte der pneumatische Leseschacht, eine alte Konstruktion aus Messing und Glas. Jeder Satz, den ich dort einsog, vibrierte bis in meinen Rachen, als würde mir die Maschine selbst neue Worte einhämmern.

Ein Sirenenton durchzog die Halle. Die Aufseher patrouillierten mit Schlagstöcken, suchten nach allen, die mehr lasen, als ihnen zustand. Ich drückte mich in eine Nische zwischen den schnaubenden Kolben. Nicht Neugier zog mich zum Schacht, sondern das Gefühl, dass jedes gelesene Wort meinem eigenen Denken eine neue Form gab.

Schritte näherten sich. Ich hielt den Atem an. Endlich, der Schacht klickte. Ein weiterer Streifen rutschte hervor. Während ich ihn einrollte, merkte ich, wie sich mein Mund anders bewegte – als hätte die Maschine mir eine Sprache gegeben, mit der ich endlich erzählen konnte, wer ich bin.

Illustration eines roten Feuerwerkseffekts mit kleinem Fallschirm vor dunklem Hintergrund. Unten ein leuchtender, rot strahlender Lichtball, aus dem zahlreiche schmale Strahlen sternförmig nach aussen führen. Eine feine, helle Linie verbindet das Zentrum des Lichtballs mit einem darüber schwebenden, geöffneten Fallschirm.

Folge mir auf Mastodon | Pixelfed | Bookwyrm | Bluesky