Grenzen? Hahahah! – Wenn Kinder deine Nerven testen
Sonntag morgens 08.30 Uhr. Ich laufe durch die kühle morgendliche Luft und atme tief durch. Nochmal! Und nochmal. Im Kinderwagen vor mir brabbelt die Kleine vor sich hin und freut sich über jedes Auto, das vorbeifährt. Was mich rausgetrieben hat, ist der Große!
Rückblende: Seit 6 Uhr morgens ist der Große wach und somit die ganze Familie. Also runter zum Frühstück. Beim Frühstück ging’s dann direkt los. Der Große hat es meisterhaft verstanden, meine Nerven zu zupfen. Innerhalb von ein paar Minuten hat er mich auf die Palme gebracht und die Situation eskalierte leider nicht zum letzten Mal heute.
Kurz danach machte er etwas, was er nicht machen sollte, ich weiß gar nicht mehr, was genau. Woran ich mich aber genau erinnere, ist der Blick. Dieser provozierende, abschätzende Blick. Ich bin mir sicher, jedes Elternteil kennt diesen Blick.
Ich war kurz vorm Platzen und hab mir die Kleine geschnappt und bin vor die Tür. Atmen! Einfach atmen!
In Online-Ratgebern steht immer, man solle ruhig und gelassen bleiben. Ruhig und gelassen? Während der Große meine Nerven spielt wie eine Geige? Danke für den Tipp!
Nach meiner Runde geht es direkt weiter. So geht der Tag von Eskalation zu Eskalation weiter und dann zum Glück auch irgendwann zu Ende. Ich liege emotional sehr am Ende auf der Couch und frage mich, was genau heute passiert ist. Wieso lasse ich mich so triggern? Warum hat mich das heute so genervt?
Kinder testen Grenzen. Das ist völlig normal und muss auch so sein. Grenzen zu testen gehört zur Entwicklung dazu. Ein Kind erkundet Möglichkeiten, probiert aus, wie weit es gehen kann, und sucht dabei nach Orientierung. Kinder haben dabei keine böse Absicht. Oft ist ihnen wahrscheinlich nicht bewusst, wie sehr sie uns ärgern. Die Ratgeber lassen oft eines außer Acht: die äußeren Umstände. Haben wir gerade eine stressige Zeit? Habe ich schlecht geschlafen? Ist die Kleine heute besonders anhänglich?
Sie fokussieren sich meiner Meinung nach zu sehr auf Erklärungen, warum das Kind gerade nervt. Wie es den Eltern gerade geht und was diese tun können, um nicht so genervt zu sein, ist quasi nie der Fall. (Keine Sorge, ich werde jetzt auch keine Ratschläge geben. Ich habe nämlich keine!)
In meinem Fall war es eine schlechte Nacht in Kombination mit dem Umzugsstress, die mich so empfänglich hat werden lassen. Ich will mich aber nicht rechtfertigen, wahrscheinlich haben wir uns gegenseitig hochgeschaukelt.
Das macht’s nicht besser, aber ich denke, manchmal muss es einfach so kommen. Danach war, wie nach einem Gewitter, die Luft wieder sauber und der Große und ich sind wieder wunderbar miteinander ausgekommen. Bis zum nächsten Morgen… Und ich denke: “Zum Glück ist heute Kindergarten!”
Wie kommt ihr so mit dem Grenzen testen klar? Was sind eure Geschichten? Das interessiert mich wirklich, weil manchmal nicht weiß, was ich tun soll.
Euer IdleHirn
Im Fediverse findet ihr mich unter @IdleHirn@federation.network