Emily Harrer

Ich komme klar. Ich komme alleine klar. Das weiß ich. Und doch: Ich will nicht alleine sein, will manchmal schon für mich sein, aber nie allein; Nicht verlassen sein.

Es gibt Menschen, die sind mir nah, wollen mir nah sein, mögen und schätzen mich. Ich sie auch. Und doch: Ich fühle mich allein, mich manchmal verlassen, denn niemand kennt mich vollends, ist immer für mich da und mir so nah, dass wir uns nie alleine fühlen.

Schlimmer noch: Die Menschen, die mir wirklich nahe sind, mit denen ich viel teile, Gefühle, Gedanken und Zeit; Wenn sie einmal nicht da sind, mit andern Zeit verbringen ohne mich, mir nah sein wollen, doch nicht ganz so nah, wie ich ihnen gerne wär, dann fühl ich mich allein; Noch mehr allein, als sonst; Noch mehr verlassen, als allein.

Ich weiß ich komme klar; Auch allein und verlassen komme ich klar. Und doch: Da ist dieser Schmerz, diese Angst, dieses Stechen in der Brust, diese Unruhe, dieses Suchen nach einem Ankerpunkt. Ich komme klar, doch ich treibe umher. Alles fremd, alles schwer. Ich komme nicht zur ruh' ohne einen Hafen. Ohne meinen Heimatmenschen bin ich verlassen und allein.

Der Regenwurm, er windet in die Erde sich hinein, bis er zuletzt verschwindet, unter Holz und Laub und Stein.

Im Tunnel dann, zu Hause, richtet er sich ein; Der Dreck wird ihm zur Speise, hier kann er gedeih'n.

Die Pflanzen oben drüber, sie heißen ihn willkommen; Ist doch der feinste Dünger ihm aus dem Arsch gekommen.