Frieskariat

Ich, mein Vikariat und mehr...

Ein #GedankeZwischendurch

CW: Tod, Sterben, Beerdigung

Wie schon in meinen Praktika während des Studiums erlebe ich nun auch im Vikariat viele Beerdigungen. Dadurch setze ich mich zwangsläufig mit dem Tod auseinander. Was mir auffällt, ist, dass mir das Nachdenken über meinen eigenen Tod dabei zunehmend leichter fällt. Als mir Beerdigungen noch nicht in der Häufigkeit begegneten, fiel mir dies deutlich schwerer.

Und so dachte ich vor kurzem über meinen Sarg nach. Ich erinnerte mich, dass ich mal von Sargmöbeln gehört hatte. Das sind Möbelstücke, die zunächst im Alltag genutzt werden können -als Regal Schrank, Bank oder anderes- und dann im Sterbefall durch wenige Handgriffe zum Sarg umfunktioniert werden. Mein Sarg bis zur endgültigen Benutzung als einfacher Kleiderschrank oder als Regal für Deko? Ne, das ist dann doch nicht so meins. Aber eine andere Idee reifte in mir.

Einige der Sargmöbel, die ich gesehen habe, sollten vor ihrer endgültigen Nutzung als Kiste zur Aufbewahrung und Sitzen dienen. Ich habe nun die Idee, dass es doch schön wäre, einen solchen Sarg als “Erinnerungskiste” zu nutzen. Also eine Kiste, in der man Erinnerungsstücke sammelt, die sonst vielleicht keinen Ort im Wohnraum haben. Zum Beispiel bedeutsame Briefe, besondere Geschenke, Erinnerungsstücke eben. Angehörige können dann im Sterbefall diese Kiste ausräumen, entweder alleine oder eventuell sogar mit einem/r Pastor/in, der/die dann dadurch meine Person und mein Leben kennenlernt.

Bisher fühlt sich diese Idee gut an. Ich bin mal gespannt, ob ich sie weiter verfolge. Was hältst du davon? Hast du dir schon mal Gedanken über deine Beerdigung oder deinen Sarg gemacht?


Tags: #Beerdigung #Sarg #Abschied #Bestattung #fedikirche

Eine ungeplante Teambuilding-Maßnahme

Mit dem Beginn vom März standen die ersten zwei Wochen im Predigerseminar in Loccum an. Dort lernte ich zum ersten Mal die anderen VikarInnen kennen. Inhaltlich ging es in der ersten Woche einerseits um Absprachen und Beziehungsaufbau mit unseren MentorInnen und um Seelsorge. Wir zeichneten “Gemeindebilder”. Das waren grafische Darstellungen der lokalen Ortsgemeinden mit ihren inneren und äußeren Beziehungen. Darin suchten wir Anknüpfungspunkte von Kirche im Sozialraum.

Unser “Sozialraum Vikariatskurs” wurde dabei in der ersten Woche direkt auf die Probe gestellt. Ein kleiner fieser Virus machte sich breit und sorgte dafür, dass einige zumindest für einen Tag dem Kurs fernbleiben mussten. Aber diese “Prüfung” meisterte unser Kurs hervorragend. Die Gesunden organisierten Frühstückslieferungen und gingen zu Supermarkt und Apotheke, um Dinge für die Erkrankten zu besorgen. Das Ganze war also eine Art unfreiwillige Teambuilding-Maßnahme.

Aus der Hüfte reden

In der zweiten Woche ging es um Liturgie, Singen und das Auftreten im Gottesdienst. Ich war in dieser Woche sehr dankbar für mein angefangenes Musikstudium, in dem ich bereits Stimmbildungsunterricht hatte. Aber einiges war auch neu. Wusstest du, dass man “aus der Hüfte” reden kann?

Probier es mal aus. Sprich einen Satz erst normal. Und dann sprich erneut, aber bewege zu den Worten oder Silben die Hüfte nach links und rechts. Hörst du den Unterschied?

Am Ende der Woche feierten wir einen Gottesdienst. Was sich erst ein bisschen wie “Vorsingen im Musikunterricht” angefühlt hat, war am Ende ein wirklich schöner Gottesdienst. Alles (bis zur Deko) lag dabei in unserer Hand. Und obwohl wir aus Interesse auch viele traditionelle Elemente ausprobierten, wirkte der Gottesdienst sehr echt und authentisch.

Ankommen

In Ostfriesland wohne ich (wir) für den Übergang zunächst in einer Ferienwohnung. Da ist “richtiges Ankommen” natürlich schwierig.

Als erste Handlung, um in der Region etwas sozial Fuß zu fassen, habe ich den lokalen Boßelverein angeschrieben. Leider ist aktuell wohl so eine Art “Boßelpause”. Aber im Juni geht es weiter. Ich bin mal gespannt, wie ich mich beim Boßeln so schlage.

Beruflich laufe ich zunächst viel bei meiner Mentorin mit. Allmählich soll ich dann selbstständiger werden. Im April stehen auch schon ein paar Geburtstagsbesuche an.

An Ostern ist meine offizielle Begrüßung in der Gemeinde. Ich darf im Ostergottesdienst predigen. Bisher hatte ich vor solchen Festtagspredigten immer Respekt, weil ich sie für auserzählt hielt. Für meine Predigt habe ich aber schon eine Gute Idee. Soll ich wohl meine Prefigten auch in diesem Blog stellen? Was meinst du?

Ich bin gespannt auf die nächsten Wochen in Ostfriesland.

Der Anruf

Endlich, am Freitag, 9 Tage vor dem eigentlichen Beginn meines Vikariats, wurde ich angerufen. “Sie haben bestanden ” waren die erlösenden Worte. Dadurch wusste ich endlich, ob es wirklich im März mit dem Vikariat losgehen kann. Und ob all die Planungen und Verpflichtungen drumherum sich gelohnt haben oder gar rückgängig gemacht werden müssen. Schließlich war unsere Wohnung schon gekündigt und zur Hälfte in Kartons gepackt. Mit der neu gewonnenen Sicherheit macht sich bei mir auch so etwas wie echte Vorfreude breit. Vorher war da immer dieser “Haken“, dieses “Was aber, wenn …“-Gefühl.

Die Gedanken an mein Vikariat sind nun nicht mehr von einem kleinen Zweifel begleitet, der durch das Nachdenken nur immer und immer größer wird. Dieser angstfreie Blick auf das zukünftige Vikariat fühlt sich befreiend an. Zuvor haben mich die Zweifel sogar in Teilen am Vikariat als solches zweifeln lassen. Jetzt freue ich mich wirklich drauf.

Das Zeugnis

Am Dienstag war Zeugnisübergabe. Ich gebe zu, dass ich diesem Ereignis skeptisch gegenüberstand. Verschiedene Dinge während des Examens haben mich sehr frustriert und ursprünglich wollte ich gar nicht hingehen. Doch meine Frau hat mich motiviert, hinzugehen. Und ich muss sagen: Ich wurde eines Besseren belehrt.

Es war ein wirklich schöner Gottesdienst. Die Liedauswahl war passend. Es gab auch musikalische Beiträge. In der Predigt ging es um Josua 1,1-9. Die Predigerin verglich das Studium und das Examen mit der anstrengenden Wüstenwanderung. In diesem vergleich stellt dann der Jordan, vor dem Josua steht die nächsten Herausforderung in Vikariat und Beruf da. Die „Josua-Zeit“ und vorallem die Perikope ist dabei eine “Zeit dazwischen”, in der Gott an den Mut und das Durhhhaltevermögen errinnert und seinen Beistand zusagt.

Anders als ich erwartet habe, hat mir der Gottesdienst wirklich gutgetan. Der Gottesdienst hat mir geholfen, die Zeit des Studiums gemeinsam mit Gott abzuschließen und ein neues Kapitel dankbar anzunehmen. Der Frust der vergangenen Zeit hat so seinen Platz und auch seinen Abschluss gefunden. Das war heilsam. Jetzt geht es am Montag los mit meiner ersten Woche im Predigerseminar. Ich bin gespannt...