Papa-Spuren

Mein persönlicher Blog über das Elternzeit-Jahr mit zwei kleinen Kindern.

„Papa? Musst du noch arbeiten?“ Die Frage, die der Große jeden Tag stellt, wenn ich ihn aus dem Kindergarten abhole. Seit einem Monat kann ich sagen: „Nein, ich habe Feierabend!“

Ich habe vor genau 4 Wochen mit meiner Elternzeit gestartet. Teilzeit mit 25 Stunden pro Woche, das heißt, 5 Stunden pro Tag arbeiten. Hört sich super entspannt an und ist es eigentlich auch. Ich habe aber einiges nicht bedacht.

Die Menge an Arbeit, die mir zugewiesen ist, bleibt erst einmal die gleiche. Nur weil ich Teilzeit habe, verringert sich nicht automatisch die Menge an anfallender Arbeit. Die muss nach und nach auf die Kollegen verteilt werden. Jetzt, nach einem Monat, spüre ich zum ersten Mal so etwas wie Entspannung nach der Arbeit, weil ich alles erledigt bekomme, was so anfällt.

Es war generell eine große Umstellung. Ich habe jetzt bald 20 Jahre ausschließlich Vollzeit gearbeitet. Unterbrochen nur von der 7-monatigen Elternzeit für den Großen. Da war ich aber komplett zu Hause. Teilzeit ist ein riesiger Unterschied. Ich hatte anfangs das Gefühl, gar nichts zu arbeiten. Später kommen, früher gehen! Das hat sich komisch angefühlt. Inzwischen habe ich mich gebessert und habe nicht das Gefühl, ständig Arbeitszeitbetrug zu begehen.

Ich gehöre zu den wenigen Vätern, die mehr als zwei Monate Elternzeit nehmen oder genommen haben. Ein noch kleinerer Teil geht in Teilzeit. Ich hatte ja schon [hier] (https://text.tchncs.de/papa-spuren/elternzeit-meine-erfahrung) darüber geschrieben. Die Väter, die Teilzeit arbeiten, machen ca. 9 % aller Teilzeitarbeitenden aus. Das ist erschreckend wenig. Immerhin hat sich der Anteil der Väter, die zumindest planen, Elternzeit Plus zu beantragen, 2024 auf über 20 % erhöht. Trotzdem gehöre ich quasi einer Minderheit an. Das wird auch überall für mich spürbar. Zum Beispiel beim Kinderarzt. Dort wurde mir ein Fragebogen ausgehändigt, auf dem ausschließlich die Mütter angesprochen werden. Väter wurden gar nicht erwähnt. Ein anderes Beispiel: Ich wurde überrascht von den (ausschließlich) anwesenden Müttern angeschaut, als ich mit der Kleinen zur Krabbelgruppe erschien. Irgendwie wurde ich gefühlt nur geduldet. Kein schönes Gefühl. Mütter aus dem Kindergarten vereinbaren Spieletreffen für den Großen ausschließlich mit meiner Frau, obwohl sie diejenige ist, die Vollzeit arbeitet.

Daran sieht man, wie tief es in unserer Gesellschaft verankert ist, dass die Väter arbeiten und die Mütter sich zu Hause um die Kinder kümmern.

Ich will mich nicht beklagen, schließlich bin ich ein (mehr oder weniger) weißer Cis-Mann. Ich weise trotzdem auf die existierenden Strukturen hin, die es Männern schwer machen, Familienmenschen zu sein.

Mehr Zeit mit dem Großen und der Kleinen ist auf jeden Fall vorhanden. Das macht mich einfach nur glücklich. Die beiden einpacken und zusammen Dinge erledigen wie einkaufen oder Pakete wegbringen, die Bibliothek besuchen und neue Bücher zum Leihen aussuchen oder einfach auf dem Spielplatz herumlungern und Sandkuchen backen. Und das alles ohne Zeitdruck. Fantastisch! Währenddessen bringt meine Frau die Brötchen nach Hause! Jackpot!

Das ist natürlich nicht ernst gemeint. Meine Frau und ich mussten uns auch erst eingrooven. Ich habe mich vor lauter schlechtem Gewissen am Anfang zu sehr in die Arbeit verbissen und meine Frau (sie ist die Beste) die ganze Hausarbeit und viel schlimmer auch die Care-Arbeit für die Kleine machen lassen. Ich war ein ziemlicher Arsch! Ein oder zwei Streits später hatten wir uns eingespielt. Eigentlich musste nur ich ruhiger werden und mir bewusst werden, dass die Arbeit auch zu einem späteren Zeitpunkt erledigt werden kann.

Ich freue mich auf die nächsten elf Monate und bin jetzt schon am Überlegen, ob ich überhaupt wieder in Vollzeit arbeiten möchte.

Wie handhabt ihr das bei euch? Wer ist in Teilzeit, wer Vollzeit? Was sind eure Erfahrungen?

Euer IdleHirn

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Kinder! Wir lieben sie! Weil sie uns so viel zurückgeben! Das ist ein sehr wahrer Satz. Meistens! Wir lieben sie für ihre guten Seiten und wir lieben sie, wenn sie uns mal wieder zur Weißglut treiben. Meistens! Für mich gibt es immer mal wieder Situationen, in denen ich mir ein kleines bisschen mehr Freiheit wünsche. So geschehen heute. Ich wollte eigentlich nur ein bisschen Sport machen gehen. Ich will ja mit den Kindern mithalten können, so konditionell gesehen. Tragen, Werfen, Rennen! Was als Papa so gefordert ist. Also, die Kleine ins Bett gebracht, den Großen auch und schnell das Sportzeug gepackt und ab in das Studio, Fahrradfahren ohne vom Fleck zu kommen und schwere Dinge so oft wie möglich in alle Richtungen wuchten. Ja, dachte ich zumindest. Es kam alles irgendwie nicht so wie geplant. Erst hat die Kleine sich beharrlich geweigert einzuschlafen, dann ist der Große aufgewacht und wollte etwas trinken. Dann wieder die Kleine, dann der Große....Ihr versteht! So ging das stundenlang und hat erst vor ein paar Minuten aufgehört.

Was mich zum heutigen Thema bringt. Den Kind-Faktor! Der Kind-Faktor ist meine ganz und gar nicht wissenschaftliche Art, das Phänomen zu beschreiben, das, glaube ich, sehr viele Eltern kennen, und als Papa habe ich so ein Gespür dafür entwickelt. (Das Gespür lässt mich aber oft genug im Stich.) Man muss pünktlich sein, versucht extra früher anzufangen, sich und die Kinder anzuziehen, kommt aber trotzdem irgendwie 20 Minuten zu spät.

Man freut sich, einen Film zusammen anzuschauen, schon hat die Kleine wahnsinnige Sehnsucht nach Papa und möchte nur von mir in den Schlaf gekuschelt werden. Das ist anstrengend und nervig, aber macht mich als Papa natürlich stolz, wenn nur meine starken, Fitnessstudio-gestählten Arme sie in den Schlaf wiegen können.

Man möchte endlich gesünder essen, aber dann landet trotzdem wieder Nudeln mit Tomatensoße auf dem Esstisch. Die Zutaten für das leckere, ausgewogene und nahrhafte Essen kann man auch anders verwenden. (Der Salat welkt seit Tagen vorwurfsvoll im Kühlschrank vor sich hin.)

Egal was, der Kind-Faktor sorgt zuverlässig dafür, dass alles länger dauert, Pläne geändert werden müssen und Vorhaben anders enden als geplant. Der Kind-Faktor ist, wenn meine Frau und ich bewusst NICHT darüber reden, wie toll die Kleine am Abend schläft. Kinder können das hören! Keine Ahnung wie. Es muss irgendeine metaphysische Verbindung zwischen Kindern und Eltern geben, die sofort das Kind weckt, wenn es sich die Eltern zu gemütlich machen. Der Kind-Faktor besagt: “Fühl dich nicht zu sicher!” und “Jeder Plan ist gut, bis das Kind davon Wind bekommt.”

Das Obige ist natürlich nur ein ganz klein wenig ernst gemeint. Kinder, vor allem kleine, sind eben unberechenbar. Einmal macht man Pläne, einmal nicht und beides Mal wäre das Gegenteil sinnvoller gewesen. Ich als Mensch, der gerne einem festen Plan folgt, finde das alles wahnsinnig anstrengend. Meine Frau ist da zum Glück entspannter. Ich bin aber nicht meine Frau und entsprechend ziemlich genervt. Was mich wieder stresst. Mann, wäre Sport jetzt gut, sich so richtig auspowern und dann entspannt unter die heiße Dusche. Moment! Höre ich da die Kleine weinen? Und das Spiel geht von vorne los.

Andererseits lehrt einen der Kind-Faktor Geduld. Kinder sind eben nicht diese voll-optimierten, auf Effizienz getrimmten Wesen, die wir Erwachsenen immer mehr zu werden scheinen. Dann muss die Jacke eben nochmal ausgezogen werden, bevor man die Mütze anziehen kann.

Vielleicht ist es auch gut, dass es den Kind-Faktor gibt. Er hält mich auf Trab und hilft mir, aus meinen festgefahrenen, über Jahrzehnte eingeübten Verhaltensweisen auszubrechen. Wer muss schon pünktlich sein (ICH!) und den Film kann man auch irgendwann schauen (NEIN!) und den Sport kann ich auch verschieben (NIEMALS!).

Was ich sagen möchte, ist, glaube ich, dass man alles ein wenig entspannter sehen sollte, sich nicht an Pläne festkrallt, vor allem mit zwei Kindern. Die meisten Leute haben Verständnis, wenn man zu spät kommt. Und wenn nicht, sind die Kinder auch eine super Ausrede, früher zu gehen. Den Sport kann man auch morgen machen. Und Nudeln mit Tomatensoße sind eigentlich auch gar nicht so schlimm.

Was sind eure Erfahrungen mit dem Kind-Faktor? Gibt es den überhaupt?

Euer IdleHirn

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Die Zeit, in der Familien zusammenfinden und ins Fresskoma fallen. Die Zeit, in der zu viel Spielzeug geschenkt wird und die Kinder einfach überfordert sind.

Ich mache Pause bis ins neue Jahr und genieße die Zeit. Der nächste Blogeintrag folgt im neuen Jahr.

Ich wünsche euch und euren Familien eine entspannte Weihnacht. Auf dass eure Nerven stählern bleiben und die Kinder nicht zu aufgedreht sind.

Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr (brecht euch dabei aber bitte nichts)

Euer IdleHirn

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Na, auch müde? Eltern mit (kleinen) Kindern brauchen jetzt nicht mehr weiterlesen, sie wissen genau wie ich mich manchmal fühle. (Oder sie schlafen einfach, weil jede Minute kostbar ist.) Ich werde hier keine Tipps geben, wie man Kinder zum Schlafen bringt, dieser Text soll eher eine Art Ventil sein.

Also, vorneweg, Der Große und Die Kleine sind im Allgemeinen super gute Schläfer. Der Große kommt da ganz nach meiner Frau, braucht viel Schlaf, liebt es zu schlafen. Die Kleine... nicht so ganz. Ein Beispiel:

Ich fröne meinem Hobby und gehe erst spätabends ins Bett. (Zu Hobbies wird noch ein Eintrag folgen) Kaum hat man sich hingelegt, wird Die Kleine wach und hat Hunger. Also wieder aufgestanden und Fläschchen gemacht. Nach dem Füttern ist aber erst einmal Party angesagt, denkt Die Kleine und ist für die nächsten 2 Stunden hellwach! Und die ganze Zeit dreht sich der Gedanke im Kopf: „Ich will doch einfach nur schlafen!” So oder so ähnlich ist es bei vielen Eltern kleiner Kinder.

Die Kleine schläft meistens ziemlich gut, wenn sie denn mal eingeschlafen ist. Aber der Weg dahin ist leider meist ein Kampf. Da kommt sie ganz nach mir. Ich weiß das, weil ich den Text hier um halb 12 in der Nacht schreibe und trotzdem nicht wirklich müde bin.

Das ist auch das, was mir dann den nächsten Tag versaut. Ich wache hundemüde auf, weil ich ehrlich gesagt die Zeit ohne Kinder genieße und möglichst viel herausholen möchte. Für mich! Für Hobbies (etwa diesen Blog oder eine Dungeons & Dragons-Session)! Einfach in aller Ruhe etwas tun, nur für mich! Das führt, zumindest bei mir, in eine Art Teufelskreis: Ich will Zeit für mich, bleibe (zu) lange wach, bin müde, bin genervt, weil ich müde bin, brauche Zeit für mich. Seit Die Kleine nicht mehr von meiner Frau gestillt wird, habe ich die Nachtschicht übernommen. Sie schläft neben mir. Fürs Fläschchen und Windeln und ganz im Allgemeinen bin ich für Die Kleine zuständig. Das heißt ich höre ständig mit einem Ohr, ob sie weint, Hunger hat oder eine frische Windel braucht. So ganz entspannend ist das alles nicht und irgendwie bin ich ja dann auch nicht für mich.

Davon bin ich manchmal genervt! Ziemlich heftig sogar! Von ihrer Bedürftigkeit, vom Füttern, vom Nachts aufstehen und die Kleine durch die Gegend tragen, weil sie nur so einschläft. In meinem IdleHirn weiß ich, dass ich einfach meine eigene Müdigkeit, Genervtheit und das Gefühl fremdgesteuert zu sein auf Die Kleine projiziere. Aber Mann, bin ich manchmal genervt! Und Müde! Vor allem Müde!

In solchen Zeiten ziehe ich für eine halbe Nacht aufs Sofa um, aber in meinem Alter ist das keine gute Idee. (Die Schulter zickt dann meist.) Auf dem Sofa kriecht dann langsam das schlechte Gewissen ran und raubt mir zusätzlich den Schlaf. Super! Und wie schlafe ich jetzt ein?

Aber es gibt dann oft auch die schönen Momente. Die Kleine wird wach, nur kurz, rollt sich zu mir rüber, kuschelt sich an und schläft weiter. Das sind die Momente, die einem zeigen, wie toll das Papa-Sein ist. Dieses Urvertrauen von ihr, die unfassbare Liebe, die ich in solchen Momenten empfinde. Aber es stellt sich die Frage: Wie zur Hölle kriege ich jetzt den Arm unter ihr raus, ohne dass sie aufwacht? Dann liege ich da und versuche auf eine verrenkte Art und Weise einzuschlafen und denke darüber nach, was für ein Glück ich doch habe. Es hört sich abgedroschen an, aber es sind diese kleinen Momente, die mich alles andere vergessen lassen.

Am nächsten Morgen bereue ich es, Die Kleine nicht mehr in ihr Bettchen gelegt zu haben (Die Schulter!) und der Teufelskreis von oben startet neu.

Was kann man also tun? Ehrlich? Gar nix! Es ist, wie es ist! Wenn sich etwas verändern sollte, dann mein Drang lange wach zu bleiben. Und wisst ihr, was das Ironische daran ist? Ich weiß das, werde aber trotzdem nichts daran ändern! Weil ich brauche Zeit für mich! (stellt euch mich hier bitte eine Art Paradoxon vor)

Und während die Dinge passieren, die ich oben beschrieben habe, höre ich aus dem Zimmer des Großen, wie er im Schlaf spricht und irgendjemanden fragt, ob er den T-Rex ausleihen darf.

Wie geht ihr mit dem Schlafmangel um? Habt ihr euren eigenen Teufelskreis durchbrochen?

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Euer IdleHirn

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Als ich zum ersten Mal darüber nachgedacht habe, Elternzeit zu nehmen, war Mitte 2020. Damals war sowieso eine sehr wilde Zeit, keiner wusste, wie Homeoffice funktioniert, und alle waren Experten zu Fallzahlen und exponentiellem Viruswachstum.

In dieser Zeit erfuhren meine Frau und ich, dass wir ein Kind erwarten. Das Glück war riesig und nach der Geburt des Großen entschlossen wir, die Elternzeit gleichmäßig je zur Hälfte aufzuteilen. Meine Frau ist jemand, der nicht still sitzen kann, und ich bin jemand, der gerne längere Auszeiten nimmt. Also war es nur logisch, es aufzuteilen. Abgesehen davon konnten wir es uns glücklicherweise finanziell leisten. Wir arbeiteten beide Vollzeit, und ich war und bin immer noch der mit dem kleineren Gehalt.

Die erste Hürde, die zu nehmen war, war die Online-Beantragung des Elterngeldes. Gehaltsnachweise, Geburtsurkunden, Nachweise dies, Nachweise jenes… Im Nachhinein war die Beantragung das kleinste Problem. Meine Frau sollte die ersten 7 Monate in Elternzeit gehen, ich die zweiten 7 Monate. Für meine Frau war alles easy, kein Problem.

Als ich bei meiner damaligen Arbeitsstelle die Elternzeit anmeldete, wurde sehr verwundert auf die Dauer meiner Elternzeit reagiert. So lange? Kann ja nicht sein! Wirklich? Krass!

Diese Reaktion war und ist kein Wunder, denn noch immer sind laut offiziellen Statistiken auf Destatis.de nur ca. ¼ der Väter überhaupt in Elternzeit. Dieser Anteil ist seit 2020 mehr oder weniger stabil. Gleichzeitig ist die durchschnittliche Dauer mit knapp 4 Monaten bei Vätern und fast 15 Monaten bei Frauen im Jahr 2024 erschreckend unterschiedlich.

Nachdem ich versicherte, mich nicht verschrieben zu haben, fingen die Probleme erst richtig an. Ich wurde von meiner damaligen Chefin regelrecht gemobbt. Nur kurz Windeln wechseln? Geht gar nicht! 10 min Pause machen, damit meine Frau in Ruhe duschen kann? Arbeitszeitbetrug! (Vielleicht schreibe ich zu dem Thema noch einen Blogeintrag, mal sehen.)

Generell kann man sagen, dass die Akzeptanz von Vätern in Elternzeit, sagen wir… verbesserungswürdig ist. So haben laut einer vom Bundesministerium für Familie beauftragten Studie aus dem Jahr 2022 über 60 % der Väter ihr Unternehmen als nicht väterfreundlich eingestuft, was Vereinbarkeit von Familie und Beruf angeht. Das ist eine ganz schöne Hausnummer.

Auch in meinem Umfeld gibt es Erfahrungen mit väterunfreundlichen Unternehmen. Es sind immer wieder Geschichten, die einen zweifeln lassen am gesellschaftlichen Fortschritt.

So erzählte ein Bekannter von mir, dass sein Chef, nachdem von meinem Bekannten Elternzeit angemeldet wurde, meinte: „Elternzeit? Das werde ich zu verhindern wissen!“

Der Mann einer Bekannten wurde nach seiner Elternzeit als Drückeberger geframed und ihm wurden nur noch einfachste oder unmögliche Aufgaben zugewiesen. Entnervt kündigte er dann nach einiger Zeit.

Meinem Schwager wurde nahegelegt, doch nicht mehr als 2 Monate Elternzeit zu nehmen. Er müsse doch an seine Zukunft im Unternehmen denken.

Ich selbst habe meine siebenmonatige Elternzeit sehr genossen und bin dann wieder Vollzeit in die Arbeit eingestiegen. Erst war alles in Ordnung, aber nach und nach gab es Unstimmigkeiten. Hier eine Kleinigkeit, dort ein kleiner Hinweis. Das wurde irgendwann größer und größer, bis mir versucht wurde, etwas in die Schuhe zu schieben, was ich nicht gewesen sein kann. Ich war nämlich in Elternzeit! Danach wurde gemicromanaged, jeder Mausklick infrage gestellt und mir das Leben schwer gemacht. Zum Glück wurde ich dann aus betrieblichen Gründen entlassen und habe eine nette Abfindung bekommen.

Diese Beispiele zeigen deutlich, dass sich in Sachen Akzeptanz von väterlicher Elternzeit in den Unternehmen, aber auch vor allem in den Köpfen der Menschen viel ändern muss.

Heute bin ich froh, in einem Unternehmen zu arbeiten, in dem es völlig akzeptiert ist, wenn Väter Elternzeit machen. Ich freue mich auf das Jahr in Teilzeit und die Möglichkeit, mich mehr am Familienleben zu beteiligen. Vor allem freue ich mich auf die Zeit mit dem Großen und der Kleinen.

Welche Erfahrungen habt ihr mit Elternzeit gemacht? Wurde es euch schwer gemacht oder eher leicht? Ich freue mich auf eure Kommentare und Rückmeldungen,

Euer IdleHirn

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Euer IdleHirn

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“Papaaaa, kannst du mir was zu trinken geben?” Entnervt atme ich durch, speichere das Excel-File, an dem ich gerade gearbeitet habe. Was ist denn jetzt schon wieder? Kann man nicht einfach in Ruhe die Aufgabe erledigen? Und überhaupt, Mama ist doch auch zu Hause. Ach Mist, den Kundencall von ihr, den hab ich ganz vergessen ...

Wer diese Situation im Home-Office kennt, bitte kurz die Hand heben! Home-Office sollte doch Work-Life-Balance schaffen (auch wenn viele Arbeitgeber eher widerwillig und weil es sein musste Home-Office erlaubt haben). Aber stattdessen ist es vor allem nachmittags, wenn der Große aus dem Kindergarten wieder zu Hause ist, eher ein Balanceakt zwischen Alibi-Anwesenheit sowohl bei der Arbeit als auch beim Kind. So kommt es mir zumindest vor.

Home-Office ist ein wichtiges Thema in der heutigen Zeit, besonders für Eltern. In einer Zeit, in der immer mehr Arbeitgeber auf Anwesenheit bestehen, ist das Home-Office, das meine Frau und ich genießen dürfen, ein wirkliches Privileg. Theoretisch klingt das Home-Office auch sehr gut: kein Pendeln, mehr Zeit für uns und die Kinder, größere Flexibilität.

Doch wer gedacht hat: “Super, dann bin ich den ganzen Tag zu Hause und kann meinen Partner unterstützen”, hat die Rechnung ohne die Kinder gemacht. Ständig wird etwas gebraucht, etwas „nur ganz kurz“ angeschaut oder lauthals nach Bespaßung verlangt. Kaum hat man sich in eine Aufgabe eingegroovt, kommt der Ruf „Papaaaa, ...“. Ist man in einem Gespräch mit einem Kunden, kommt der Große hereingestürmt und verlangt zu wissen, wer die Leute auf dem Bildschirm sind. In diesen Zeiten habe ich ein super schlechtes Gewissen – den Kindern, meiner Frau und auch meinem Arbeitgeber gegenüber –, weil ich keinem gerecht werden kann.
Wie soll man da in Ruhe seine Arbeit erledigen?
Flexibilität und Absprache sind das Zauberwort.

So haben meine Frau und ich einen gemeinsamen Kalender, in dem wir unsere wichtigen Meetings eintragen und festlegen, wer für die Kinder da sein kann. Das ist für uns das wichtigste Werkzeug, um uns zu koordinieren. Zum Glück ist der Große schon soweit zu verstehen, dass Mama und Papa zwar zu Hause sind, aber arbeiten müssen. Meistens jedenfalls! Es gibt Tage, da benötigt er einfach Aufmerksamkeit. Die versuchen wir ihm zwar zu geben, aber da wäre ja noch die Kleine und die Arbeit, die dem Ganzen ein bisschen einen Strich durch die Rechnung machen.

Als „Trick“, um zumindest den Großen beschäftigt zu halten, haben sich bei uns ein paar Sachen herausgebildet:

  • Hörspiele (unsere Siri hört schon auf die Stimme des Großen, immer ein großer Spaß)

  • TipToi-Bücher (wenn der Stift geladen ist)

  • altergerechte Handyspiele (jetzt bekommen einige vermutlich Schnappatmung)

Am effizientesten ist allerdings ganz einfach, vor die Tür zu gehen. Nochmal: Ich bin mir unseres Privilegs sehr bewusst und die Mehrzahl der Arbeitnehmer hat diese Möglichkeit nicht. Wenn man aber die Möglichkeit hat, was Flexibilität und Arbeitszeiten angeht, schlägt nichts eine schnelle Runde auf dem Spielplatz.

Es gibt aber auch die kleinen Erfolgsgeschichten. Wenn der Große etwas von mir möchte, aber sieht, dass ich im Gespräch bin und er von sich aus nicht fragt.
Die Zeiten, in denen er sich selbst beschäftigt, indem er Hörspiele hört (siehe oben) oder sogar einfach mit seiner Fantasie eine Welt erfindet und darin spielt.
Dann habe ich zwar auch ein schlechtes Gewissen, aber finde es erträglicher.

Home-Office kann ein Traum sein, kann aber auch ziemlich schnell ziemlich anstrengend werden. Jeden Tag ist es eine Herausforderung, auch im Home-Office Familie und Arbeit unter einen Hut zu bringen.
Am Ende bleibt es ein Balanceakt zwischen Job und Familie.
Es benötigt Absprache und Vorausplanung, und selbst dann ist der Erfolg nicht garantiert.

Und weil es jeder anders macht, jede Familie andere Lösungen findet, seid ihr gefragt:
Wie ist das bei euch? Habt ihr noch Tipps, wie man die schlimmen Tage im Home-Office übersteht?

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Euer IdleHirn

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