Einer der Gründe, warum ich gern Meister Eckhart lese, sind seine großartigen Bilder:
Es ist Gottes Streben, dass er sich uns völlig gebe.
In gleicher Weise, wie wenn das Feuer das Holz in sich ziehen will und sich hinwieder in das Holz, so findet man vorerst das Holz als dem Feuer ungleich. Darum bedarf es der Zeit.
Zuerst macht es das Holz warm und heiß, und dann raucht es und kracht, weil das Holz dem Feuer ungleich ist; und je heißer das Holz dann wird, um so stiller und ruhiger wird es, und je gleicher es dem Feuer ist, um so friedlicher ist es, bis es ganz und gar Feuer wird.
Was ist das Besondere, wenn ich mit Kolleg*innen besonders gut zusammenarbeite? Ein wichtiger Punkt für mich ist: Wenn jemand ganz anderer Meinung ist als ich, wenn jemand meinen Vorschlag nicht so gut findet... Fühle ich mich grundsätzlich in Frage gestellt oder kann ich die andere Perspektive als Geschenk annehmen, mit dem wir beide weiter arbeiten können? An dem ich selbst wachsen kann?
Ich denke zurück an mein Meeting in dem 4er-Leitungsteam einer meiner Ausbildungen, das ich gestern hatte. Und bin dankbar und glücklich.
Ja, manchmal – ganz selten – wirbelt alles um mich herum. Die Luft sirrt und flirrt. Licht, Farben, Gerüche, ein Schweben – und alles auf einmal. Und ich bekomme eine Ahnung davon, was in der Bibel mit “Himmelreich” gemeint ist.
Einen solchen Augenblick muss van Gogh erinnert haben, als dieses Bild entstand, oder? Ein bisschen verrückt soll er ja gewesen sein.
Seit gestern ist das Bild auf unserem großformatigen Kalender im Wohnzimmer. Es fasziniert mich jedes Mal.
Es ist der letzte Novembertag. Grau. Kalt. Regnerisch. Es beginnt schon dunkel zu werden. Obwohl: wirklich hell war es den ganzen Tag noch nicht. “Depressions-Wetter” nenne ich das manchmal.
Trotzdem gehe ich eine Runde durch die Stadt, damit ich zu Hause nicht rammdösig werde. Ich sehe sehr viele Menschen, blinkende Buden vom Weihnachtsmarkt, unheimlich viel Müll, Plaste, Flaschen, Speisereste von gestern. Dazu der Krach der Autos auf dem Juri-Gagarin-Ring, Baustellen, sehr viele störende Autos, die die Innenstadt zuparken..
Doch dann ändere ich meinen Blick. Ich nehme mir vor, auf das Schöne zu schauen. Es zu suchen, mitten in der Stadt. Auf das Kleine zu achten inmitten des Großen. Ich entdecke Blumen im Chaos einer Baustelle. Farben, Formen. Einen Reiher. Übriggebliebene Früchte...
Es ist so schön. Das hatte ich nicht gedacht, als ich losging. Ob es öfter so ist?
Unvorstellbar, dass einer bei der Nationalen Volksarmee auf seiner Spind-Tür ein Plakat mit einem religösen Motiv hatte. So etwas hatte in einer sozialistischen Armee nichsts zu suchen. Dann schon eher knapp bekleidete Damen. Aber ein Jesus-Bild? Unter keinen Umständen!
Dennoch hatte ich ein reliöses Plakat dort hängen, anderthalb Jahre lang. Das war mir wichtig. Es war ein Foto mit der Skulptur einer Madonna mit Jesus-Kind. Eine Holz-Skulptur in den typischen Formen, wie sie Friedrich Press in den 70er Jahren geschaffen hatte. Mich als Jugendlichen faszinierten diese Figuren. In ihrer Schlichtheit. Und in der Klarheit ihrer Botschaft.
Das tun sie bis heute. Wenn ich darauf schaue, wird mir ganz warm ums Herz. Und ich ahne etwas davon, wie schlicht und klar der #Advent sein könnte.
Und dass die Vorgesetzten damals in diesem eigenartigen Holz kein religiöses Motiv erkennen konnten, war ein willkommener Nebeneffekt....
Advent wie ein Durchatmen nehmen. Wie eine Besinnung, ein Nach- und Vorsinnen. Vor allem: wie die Erwartung von etwas Großem...
Auch in diesem Jahr möchte ich im Advent wieder ein paar Gedanken in diesem Blog lassen. Kleine Gedanken, Beobachtungen, Erinnerungen und vielleicht Überlegungen, die sich an Lektüre anschließen. Das kann mal die Kirchenjahreslese aus der Bibel sein. Mal vielleicht auch Meister Eckhart oder etwas anderes. Ich bin selbst gespannt. Morgen geht es los.
Heute ist der letzte Tag im #Advent. Für mich war es heuer eine besondere Zeit. Ich habe Jacob Böhme gelesen und Meister Eckhart und Gedichte aus der Sammlung “Das leuchtende Buch”.
Jeden Tag mit geistlichen Gedanken. Oft war es ein Wandern in einer anderen Welt als den Rest des Tages. Oft war es mehr ein Ahnen als ein Verstehen. Und doch hat es hineingestrahlt, nicht selten bis zum Abend. Dafür bin ich dankbar.
Ich gehe durch die Stadt und höre Sätze wie “Schade, dass Weihnachten schon vorbei ist.” oder “In diesem Jahr war die Weihnachtszeit...”
Ich genieße den Ausklang einer ruhigen und geistlich gefüllten Advents-Zeit und bin froh, dass Weihnachten erst beginnen wird. Wie gut war das Fasten, das Morgengebet, die Lektüre, dieser Blog... Zeit der Bereitung.
Und dann, 25.12., Fest der Geburt Christi
Ich liebe sie, die gebundene Sprache. Die Poesie, die Bilder malt in die Seele. Nicht zu verstehen mit dem Verstand, eher gefühlt mit dem Geist und manchmal mit dem ganzen Körper. Flirrend in der Vielfalt der Möglichkeiten. Ganz anders als der Alltag oft: In wenigen Worten oder im Überschwange der Bilder hebt sich Wahrheit auf den zweiten Blick, oder den Dritten... Wahrheit, die tief liegt und hoch fliegt.
Nötig aber arm ist die Welt der Fakten und der Eindeutigkeiten. Es braucht das Vielsinnige, das zum Leben ruft und mich aufnimmt in seine Welt. Damit ich fliegen kann und nicht festklebe...
“Sankt Johannes sprach: »Im Anfang war das Wort« (Joh. I, 1), und er deutet damit an, dass man bei diesem Worte ein »Beiwort« sein solle.” (#MeisterEckhart)
In der Grammatik gibt es ein Adverb (Beiwort) nie ohne das Verb oder Adjektiv, zu dem es gehört. So gibt es den Menschen nicht, ohne, dass er nah bei Gott steht, ob er es weiß oder nicht. Der Mensch ist an Gott gebunden.
Das Adverb gehört zum Verb, also zu einem Tätigkeitswort. Das Bild, Gott sei ein Tätigkeitswort, gefällt mir gut. Es beschreibt nicht das Statische und Feste in Gott, sondern seine Wirkkraft. Auf die es kommt es an. Und das Adverb beschreibt, wie es wirkt. Ich gehe schnell oder langsam. Ich wirke kräftig oder belanglos...
Wie wirkt Gott in dieser, seiner Welt, wenn ich sein Adverb bin?