Johannes Leutenegger

Blog über Fussball, Kaffee, Populärkultur, Magic: The Gathering, Politik, Veganismus...

Die Rapperswiler liessen den Auftakt des Spieles einfach mal geschehen. So schien es zumindest. Die Wiler konnten quasi bis zur Mittellinie problemlos laufen und auch sonst waren die Pässe meistens recht gut. Aber Tore gab es keine, nicht einmal echte Torchancen.

Der gefühlt erste Torschuss der Rapperswiler ging rein, gleich darauf folgten das 0:2.

Nach der Pause kamen die Wiler wieder mit Vollgas aus der Kabine. Wirklich Chancen gab es allerdings wieder keine und dann fiel auch schon das 0:3, letztlich die Entscheidung.

Nach dem über die Linie gewürgten Treffer von Jacovic keimte noch etwas Hoffnung auf. Aber vergebens. Eine echte Chance gab es auch nicht mehr.

Einziges erfreuliches ist, dass Hämmerli jetzt offensichtlich auch der Meinung ist, dass man hier nicht mehr herumreden kann. Das kann, muss besser werden.

Dass es im Waadtland nicht ganz einfach werden würde war klar. Umso mehr überraschend war es, dass es zur Pause noch 0:0 stand, das schwächere Wil doch mithielt und ein paar Chancen hatte. Die Mannschaft konnte nach der Pause dann noch ein paar weitere Chancen reinholen, aber kein Tor erzielen konnte. Ein ganz übler verfehlter Schuss gelang Borges.

Yverdon war präsenter, machte das erste Tor. Legte ein Penaltytor nach. Und in der Nachspielzeit “räbelte” es nochmals zweimal. Das 4:0-Päckli war geschnürrt. Im Resultat etwas zu hoch. Aber wenn interessiert das. Die Tore waren auch nicht gestohlen.

Überzeugend war vor allem Djawal Kaiba. Der Kameruner bringt richtig viel Kraft ins Offensivspiel, leider ändert sich das mit dem schwächelnden Sturm von Abazi und Borges nichts am Resultat. Hinten ist neben dem praktisch immer soliden Schmid vor allem Muslija hinten ein richtiger Rückhalt, zumindest kann ich das über seine Leistung in der ersten Halbzeit sagen.

Und ich mache mir nun Sorgen darüber, ob die Wiler bis zum Derby gegen St. Gallen am 20. September bereit sind.

Es ist 13 Jahre seit dem letzten Zusammentreffen her. Ich war damals 19 und stand kurz vor der Matura. So viel ist seither passiert...

Irgendwie in die zweite Runde gekommen. Schönheitspreise wurden dabei keine gewonnen.

Die Krienser erzielten in der ersten Halbzeit bereits früh den Führungstreffer, die Wiler liefen diesem 1:0 nur noch hinterher. In der zweiten Hälfte besonders in den ersten zehn und den letzten zehn Minuten sehr engagiert, mit tollem Passpiel aber grossen Schwächen vor dem Tor. Mit der letzten Aktion tief in der Nachspielzeit brachten die Wiler das Spielgerät dann doch noch über die Linie. Warum, wie, wieso erst so spät, das sind alles Fragen, die weiterhin ungeklärt bleiben müssen.

In der Nachspielzeit schon der nächste Schock. Nach nicht einmal einer halben Minute zappelt der Ball schon wieder im Netz, dieses Mal ist es das Tor, dass den Wilern zugeteilt wurde. Unfassbares Gefühl.

Dann reagieren die Wiler aber, gleichen aus, schiessen dann sogar den Führungstreffer. Unfassbares Gefühl.

Kurz vor dem Ende der ersten Verlängerung zappelt der Ball schon wieder im Wiler Tor. 3:3? Nein, Foul meint der Schiri. Oder war es Abseits? Egal, Wil geht mit der Führung in die kurze Pause.

Am Ende spielen die Wiler die Partie sauber mit 2:3 fertig.

Besonders hervorzuheben ist Tim Staubli, der unglaublich wirblig vor dem Strafraum hin- und hergerannt ist. Am Ende des Spiels konnte er kaum mehr laufen. Grossartiger Typ.

Passend, dass genau Staubli das 1:1 erzielte. Er hat es verdient!

Carouge, erst vorletzte aufgestiegen und bereits in der ersten Saison überraschend im Aufstiegsrennen findet noch nicht so wirklich Fuss in der neuen Meisterschaftssaison. Vielleicht ist es noch etwas zu früh, aber es scheint sich schon anzukündigen, was eine Fussballweisheit besagt: Die zweite Saison nach dem Aufstieg ist die schwierigere als die erste.

Vor dem Spiel waren Wil und Carouge rein resultatmässig am gleichen Punkt. Eine Niederlage, ein Unentschieden. Ein Punkt und unzufrieden damit.

Wil spielte die Partie stärker als von mir vermutet, eigentlich so, wie sie grosse Teile der zweiten Halbzeit gegen Aarau gespielt hatten. Die Verteidigung war gut, das Passspiel vorzüglich und auch der, von einigen meiner Kollegen gescholtene Gendrit Muslija zeigte mehrfach, was für ausgezeichnete Reflexe er hat. Es ist richtig Muslija eine Chance zu geben.

Aber wir müssen leider wieder feststellen, was bereits in den letzten zwei Spielen zu sehen war: Wil hat ein Sturmproblem. Borges mag ein fantastischer Spieler sein, Hanke auch sehr gut, aber den Ball über die Linie bringen, das konnte insbesondere Borges nicht. Gerade in vergleichsweise einfachen Situationen, wie bereits im Aarau-Spiel.

Dass genau Abazi, der auch mehrfach gepatzt hatte, den Ball gegen drei Gegenspieler aus schwieriger Position über die Linie geprügelt hat, ist fast schon ironisch.

Simone Rapp (Spitzname “Skischuh-Rapp”) war offenbar schon zum zweiten Mal nicht mehr im Aufgebot.

Borges wurde 1:1 gegen Uchenna Nwannah ausgewechselt. Der Mann machte bei mir einen sehr guten Eindruck. Als ich nach dem Spiel hörte, dass Nwannah Verteidiger ist, war ich zum einen überrascht und gleichzeitig besorgt, dass die Wiler so verzweifelt sind, einen Verteidiger als Stürmer einzusetzen.

Aber im Fussball geht es nicht um Schönheitspreise. Das 1:0 nehmen wir so.

Die Schaffhauser sind in der vergangenen Saison in die drittklassige Promotion League abgestiegen, Kreuzlingen wiederum in die gleiche Liga aufgestiegen. Eine spannende Partie für die erste Runde.

Die Schaffhausen-Fans sind mit dem Schiff von der Munotstadt in die Grenzstadt gereist. Was nach einer super Idee tönt, war dann in der Praxis – was ich gehört habe – immer noch gut, aber mit Problemen, die man sich vielleicht nicht so bewusst war. Immerhin dauerte die Fahrt vier Stunden. Ausgestattet mit gelben Fischerhüten ging es in das Stadion nahe der deutschen Grenze.

Schaffhausen spielte enttäuschend. Der Kader wurde nochmals stark aufgestockt, nachdem mittlerweile Investoren aus Singapur den Club übernommen haben. Der sofortige Wiederaufstieg wurde als Ziel ausgerufen. Was sonst, soweit verständlich.

Diesen Ansprüchen wurde der FCS nicht gerecht. Sie spielten sehr ungenau. Sinnbildlich waren dafür die vielen Abseits, die die Schaffhauser Stürmer sammelten.

Kreuzlingen spielte frech, fair und forsch nach vorne, verteidigte aber weiterhin sehr diszipliniert. Das 1:0 für die Heimmannschaft in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit kam etwas überraschend, passte aber zum Gesamtbild.

Nach der Pause erhöhten die Mannen des FCK auf 2:0. Das Spiel schien gelaufen zu sein, die Schaffhauser hatten einen Schuss am Bug zum Beginn der neuen Saison. Und dies verdient wie ich fand.

In der Nachspielzeit zeigten aber die Schaffhauser mentale Stärke, gaben nicht auf. Während die Kreuzlinger den Eindruck hinterliessen, dass sie den Sieg schon auf sicher hatten.

In de 92. Minute erzielten die Gelbschwarzen das 2:1. Man dachte an einen versöhnlichen Anschlusstreffer, dass man dann eben nicht ganz mit leeren Händen zurück nach Hause fährt. Die Schaffhauser blieben aber dran, so wie man das kennt bei Profimannschaften, meistens wird das bekanntlich nicht mit einem Erfolg belohnt. Dieses Mal war es aber anders: In der 98. (!) Minute erzielten die Schaffhauser den Ausgleich.

Die Kreuzlinger Fans haderten mit dem Schiedsrichter über die lange Nachspielzeit. Das Unentschieden war alles in allem unverdient für Schaffhausen.

Für mich begann das Spiel schon einmal blöd. Der FC Wil hatte offenbar noch stärker auf Onlinetickets gesetzt und dementsprechend weniger Kassen geöffnet. Das hatte zur Folge, dass ich 20 Minuten auf mein Billett warten musste. Als Schiedsrichter mit SFV-Ausweis hatte ich keine andere Wahl als mein Ticket am Schalter abzuholen.

Naja, habe ich die ersten fünf Minuten verpasst. Halb so wild. Viel ist nicht passiert. Die Wiler hielten grundsätzlich gut mit, die Aarauer waren auch alles andere als zwingend.

Dann vor der Pause zwei kapitale Fehler der Wiler Hintermannschaft. Zuerst verschenkt Bunjaku einen Ball. Elias Filet machte das so, wie man es von einem Stürmer erwartet: Tor. Muslija chancenlos.

Dann nochmals eine dämliche Szene kurz darauf: Muslija geht – eigentlich gute Idee – raus um den Ball abzufangen, hält ihn nicht. Elias Filet wieder knallhart, muss eigentlich nur noch sein Köpfchen richtig hinhalten und es steht 0:2.

Simon Dudle gibt noch in der Pause über die Lautsprecher bekannt, dass Aarau noch nie gegen Wil nach einem 0:2-Rückstand gewinnen konnte. Die Hoffnung stirbt zuletzt, ein Spruch, den man in Wil viel zu häufig sagen muss.

Die Wiler aber sehr willig, den Rückstand noch einzuholen. Aarau steht hinten aber sehr dicht, Wil zu wenig konsequent. Schliesslich gelingt per Penalty noch der Anschlusstreffer von Ndau, der übrigens schon wieder eine gelbe Karte holt. Die zweite im zweiten Spiel, er macht genau da weiter, wo er letzte Saison aufgehört hat. Als sicherer Penaltyschütze und Gelbspieler.

Irgendwann nach dem Penalty fängt es nochmals wie verrückt an zu Regnen. Auf den Rängen, zumindest im Sektor D, fast schon Rausch. Die Wiler spielen eigentlich recht gut. Ausgleich fällt trotzdem nicht.

In der Nachspielzeit nochmals extrem offensiv, muss man wohl. Und da passiert wieder ein Missgeschick. Aarau wäre nicht Aarau, wenn man den nicht machen würde, schliesslich ist ja nicht Barrage, und es steht am Schluss 1:3.

Was bleibt vom Spiel? Ratlosigkeit. Es ist in jeder Saison das gleiche, dann werden wieder Floskeln rausgeholt wie “Die sind halt jung und müssen sich halt noch finden”. Schauen wir mal. Aber so kann es nicht weitergehen.

Ich wünsche mir die Zeiten zurück, als ich richtig angefangen habe, Wil-Spiele zu schauen. 2007, damals war die Wiler Verteidigung noch die beste der Liga. Lange ist es her...

Ich war heute in Lausanne, das Ziel war ein Spiel des FC Wil gegen den FC SLO, aber ich bin extra etwas früher los, um noch etwas von Lausanne zu entdecken.

Kaffee im Bel-Air Coffee

Eigentlich wollte ich das Bistro Racines besuchen, da es gemäss HappyCow das einzige (!) rein vegane Lokal in Lausanne ist. Es hatte allerdings Sommerferien. Nicht das ich das auf ihrer Website vorher nachgeschaut hätte, aber es steht offenbar nach nachträglicher Kontrolle nicht dort.

Also habe ich mir im Coop etwas geholt. Und bin dann weiter ins Bel-Air Coffee. Das Café ist etwas versteckt, an einem – aus meiner Sicht – schönsten Orten in Lausanne, beim Bel-Air Hochhaus.

Bild vom Eingang aus

Gestossen bin ich auf das Café via European Coffee Trip. Eindruck war sehr gut. Löbliche Ausnahme war, dass pflanzliche Milch ohne Aufpreis erhältlich war.

Ich habe natürlich – ich komme mir dabei etwas wie ein Afficionado vor – eine Kanne V60 bestellt. Ich konnte aus vier Röstungen aussuchen, alle kamen aus richtig lässigen Röstereien aus Skandinavien. Nur schon die Verpackungen haben mich fast in Wallungen versetzt.

Mein Kaffee

Ich glaube, – ich kann mich nicht mehr gut erinnern – ich habe mich für eine Röstung aus Stockholm entschieden – very light, wurde versprochen. Und so kam es auch. Das wäre sogar für Teefreund:innen eine eher sanfte Sache gewesen. Aber war gut. Dazu habe ich etwas Standart und habe mich da noch mehr wie eine weird coffee person gefühlt.

Besuch im Mudac, Photo Elysée, Musée cantonal des Beaux-Arts de Lausanne

Dann habe ich mich über Schleichwege zur Platforme 10 begeben. Interessant wie anders man zu Fuss auch nochmals eine Stadt erlebt!

Die Platforme 10 befindet sich unweit des Bahnhofs und umfasst drei Museen:

  • Das Mudac, ein Designmuseum;
  • Die kantonale Fotosammlung Photo Elysée;
  • Das Kunstmuseum Musée cantonal des Beaux-Arts de Lausanne

Beim Mudac war ich mir etwas unsicher, was sie genau zeigen. Ihre Hauptaustellung war Soleil·s. Es ging um das Thema Sonne, wie wurde die Sonne genutzt, wie werden wir sie vielleicht auch in Zukunft nutzen? Wie haben wir die Sonne wahrgenommen.

Das wird erstaunlich breit angeschaut. Es geht um Solarenergie, verschiedene technische Themen werden angeschaut. Es gibt interessante Rückblicke in die Geschichte, wie Leute die Energie der Sonne genutzt haben, zum Beispiel zum Kochen und oder dann auch mit elektrischer Energie gearbeitet haben.

Sony Walkman WM-F107

Mein Highlight waren ein Sony Walkman, der mit Solar angetrieben wird oder ein Bluetooth Kopfhörer mit Solarpanels im Kopfband.

Im Photo Elysée gab es drei Ausstellungen. Eine Ausstellung zu African Americans in den USA. Ich fand die Fotos sehr intim und berührend. Die jungen schwarzen Männer, die oft als Bedrohung dargestellt und wahrgenommen werden in der Öffentlichkeit, wirken hier sehr nahbar und verletzlich.

Die zweite Ausstellung widmete sich dem Thema der Sportfotografie. Natürlich ein interessantes Thema für mich als Sportfan. Die Ausstellung wollte irgendwie alles und hat den roten Faden komplett verloren. Wirklich geblieben sind mir auch keine Fotos. Vielleicht lag das auch am starken Koffeinkonsum.

Die dritte Ausstellung hatte kantonale Themen im Fokus. Zu sehen war unter anderem Feste der Landjugend in der Waadt. Beispielsweise wird dort Seilziehen und andere archaische Spiele veranstaltet.

Im Kunstmuseum hat man einen guten Einblick in die Sammlung bekommen, die sich vor allem mit waadtländer Künstler:innen beschäftigt. Besonders geblieben ist für mich das Bild Les Romains passant sous le joug von Charles Gleyre (1806-1874). Das Bild habe ich selber einmal im Unterricht verwendet, um den Einsatz der Helvetier als Gründungsmythos der Schweiz zu illustrieren.

Kaffee im ÇA PASSE CRÈME

50 Rappen was für eine Abzocke!!!!!!!!!! ;-)

Im zweiten Lokal ÇA PASSE CRÈME muss ich leider anmerken, dass hier die veganen Optionen 50 Rappen Aufpreis kosteten. Finde ich erstens grundsätzlich daneben und zweitens sowieso viel zu teuer.

Immerhin Wasser gabs dazu

Ich habe einen brasilianischen Espresso geröstet von Bonanza Coffee aus Berlin-Kreuzberg bekommen. Leider habe ich den Kaffee unter dem sehr süssen Oatly kaum geschmeckt. Aber gespürt habe ich das Koffein auf jeden Fall, ich wurde schon etwas zittrig. Und das nach dem zweiten Kaffee. Peinlich!

Mutter Teresa besucht

Der Teufel von Kalkutta

Mutter Teresa ist meine Lieblingsheilige. Kurzer Witz zum Einstieg.

Nein, also Mutter Teresa lehne ich aus verschiedenen Gründen ab. So ist ihre Arbeit in Kalkutta zum Teil katastrophal. Das fängt schon mit der Einstellung zu Leid und Krankheit an. Das sind vor allem Prüfungen Gottes. Das erklärt den teilweise dilettantischen Umgang in den Spitälern.

Die Frau war und ist bis heute das Postergirl für den sehr konservativen bis reaktionären Teil des Katholizismus. Erinnern wir uns nur an die Aussagen, wo sie Abtreibungen als schlimmstes Verbrechen der Menschheit bezeichnet.

"Ich bin kein Usländer. Ich bin Albaner."

Da Mutter Teresa ja albanische Wurzeln hat, hat sie für albanische Katholik:innen auch in der Schweiz eine enorme Bedeutung. So gibt es in der Schweiz Stand jetzt vier Statuen (Wil, Uznach, Winterthur und Lausanne).

Entsprechend habe ich die Statue in Lausanne besucht und fotografiert.

FC Stade-Lausanne Ouchy – FC Wil (26.07.2025, Meisterschaft)

Ah shit, here we go again.

Meisterschaftsauftakt. Mit einem höheren Sieg könnte man mal auf Platz 1 stehen. Die Wiler spielen gegen das – aus meiner Sicht – unterlegene SLO in den ersten 15 Minuten gross auf. Hajij macht in der 5. Minute irgendwie das Tor. Die Härte beim Abschluss, die schon so lange zu fehlen scheint, haben die Wiler plötzlich. In der 33. Minute können die Lausanner ausgleichen. Aus grosser Entfernung sah der Wiler Schlussmann Muslija dabei nicht gut aus.

Unmittelbar vor der Pause keimt nochmals Hoffnung auf. Jacovic sucht regelrecht den Kontakt, als der Lausanner Warren Caddy das Bein viel zu hoch hebt. Der Aadorfer Schiedsrichter Nico Gianforte muss gelb zeigen. Nur blöd hat Caddy bereits gelb. Die Wiler nun in der gesamten zweiten Halbzeit in Überzahl.

Meiner Einschätzung nach wird Überzahl im Fussball massiv überschätzt. Ja, es kann einen kleinen Unterschied machen. Im Gegenteil: Viele unterlegene Teams rappeln sich nochmals auf und wissen genau, dass sie jetzt hinten definitiv zumachen müssen und vielleicht mal auf einen Konter hoffen können. Genau das hat SLO gemacht.

Allerdings hat Wil dann auch schlecht gespielt. Von der Spritzigkeit und vom Willen der ersten 15. Minuten war nichts mehr zu sehen. Keine besonders gute zweite Halbzeit, auch ziemlich langweilig. Es blieb beim 1:1. Wil bleibt heute mal auf Platz 3, aber auch nur, weil noch nicht alle gespielt haben.

Lobenswert muss man die Präsenz der Wil-Fans hervorheben. Es waren 16 Leute anwesend, bei den insgesamt wohl kaum über 100 Zuschauern in Lausanne eine gute Quote. Hoffen wir, dass es so weitergeht für die Wiler auswärts.

Ich habe gestern das volle Programm Fussball absolviert. Ich habe zuerst um 13 Uhr das Spiel zwischen Wil und Bregenz geschaut und dann noch weiter nach Altach ans Testspiel gegen Luzern. Hier also ein paar kurze Eindrücke davon.

SW Bregenz – FC Wil (12.07.2025, Testspiel)

Bild vom Spiel

Der Eindruck des Bregenzer Stadions war überraschend gut. Eine interessante Konstruktion aus Glas und Holz für die Haupttribüne.

Der Auftritt der Bregenzer war enttäuschend. Die Wiler waren klar überlegen und gingen in der 11. Minute bereits früh in Führung. Schöne Kiste von Borges, von dem ich hoffe, dass er diese Saison durchspielen und richtig überzeugen kann. Vor der Pause dann noch ein Tor von Abazi. Auch ihm würde ich eine gute Saison wünschen. Es wurde lange über Abseits diskutiert. Sogar in der Pause noch war der adrett gekleidete Bregenz-Trainer unglaublich empört über den Schiri beziehungsweise den Assistenten, der das angebliche Offside nicht gesehen habe. Fand ich albern, da Bregenz massiv unterlegen war.

Zugegeben, die Wiler Stürmer Abazi, Borges und Hajij waren ständig im Abseits und zum Teil überdeutlich. Hier muss auf jeden Fall nachjustiert werden.

Nach der Pause dann ein peinlicher Patzer vom Wiler Muslija, der sich den Ball vom Fuss abluchsen liess. Der Bregenzer Spieler schob den Ball eiskalt ins Tor. 1:2. Bytiqi stellte schliesslich wieder auf zwei Tore Vorsprung mit einem hübschen Tor. 1:3.

Muslija wurde in der 60. Minute ausgewechselt. Für ihn kam der dritte Torhüter Bujard, den ich – glaube ich – noch nie spielen gesehen habe. Er machte einen guten Eindruck.

Besonders gut gefallen hat mir wieder der Kapitän der ersten Halbzeit, Kastrijot Ndau, aber auch Borges machte wieder einen guten Eindruck. In der Verteidigung gefiel mir vor allem Schmid.

SCR Altach – FC Luzern (12.07.2025, Testspiel)

Bild vom Spiel

Es war mein drittes Spiel, das ich in Altach gesehen habe. (Dortmund gegen Chievo Verona im Jahr 2014 und zuletzt Wil gegen Altach.) Das Stadion gefällt mir sehr gut.

Überraschenderweise tauchten sogar noch ein paar ultraorientierte Luzernfans, was bei den Altachfans für eine gewisse Nervosität sorgte, so wurde sicherheitshalber mal der Fanartikelstand der Ultras mal zusammengebaut.

Das Spiel war richtig gut. Besonders Altach war zu Beginn des Spiels klar überlegen. Trotz einem frühen Tor der Luzerner. Nur stolperten die Altacher Stürmer mehrmals (!) im Rasen, kurz bevor sie in die Box gelangten. Vor der Pause fiel dann aber noch der Ausgleich.

Nach der Pause schlief das Spiel ziemlich ein. Erst gut zehn Minuten vor Schluss fällte FCL-Goalie Vaso Vasić einen Altach-Stürmer vor dem Strafraum. Es gab eine milde gelbe Karte, allerdings gelb-rot, weil Vasić schon wegen Meckern verwarnt war – er hatte nach dem Tor der Altacher lauthals beim Schiri reklamiert, obwohl dieser das Handzeichen für die “Captain only”-Regel sofort gezeigt hatte. Kurioserweise wurde Vasić einfach durch den dritten Torhüter des FCL ersetzt, nach einer Intervention des Altach-Trainers. Dieser konnte dem anschliessend wunderschön getretenen Freistoss nur noch beim in die Maschen fliegen zuschauen. Die Altacher erhöhten schliesslich noch auf 3:1.

(Dieser Text wurde ohne KI geschrieben.)

Die Frauen-EM in der Schweiz steht bevor. Alle schreiben momentan über Fussball von Frauen. Historische Rückblicke, Kommentare und so weiter kann man überall lesen. Man kann sich dem kaum entziehen.

Und immer wenn es um Frauenfussball geht, sind auch die zynischen Kommentare nicht weit, meistens wohl von Männern. Zuletzt gab es wieder viele Witze, da die Schweizer Frauen bei einem “geheimen Testspiel” gegen die U15 des FC Luzern (Jungs!) hochaus untergegangen sind.

Offensichtlich sind die Verantwortlichen beim SFV nicht die Allerschlausten. 1. Was wurde erwartet bei einem solchen Spiel? Es war zu erwarten, dass die Frauen untergehen werden. Warum überhaupt ansetzen? 2. Warum das ganze noch heimlich machen? Das hat der Aussenwahrnehmung noch mehr geschadet.

Aber stellen wir diese dämlichen Entscheide einmal zur Seite. Schauen wir uns einmal ein paar Kommentare an, exemplarisch beim SRF auf YouTube zum Test gegen Tschechien und Norwegen

Handelt es sich hier wirklich um zwei Profiteams? Sorry, selbst Junioren-Amateure zeigen mehr Technik und Spielintelligenz als das, was da gerade über den Platz stolperten.

Nicht mal gratis würde ich das schauen gehen

Das tuet de Auge weh..

Und das sind erst die harmlosen Kommentare.

Ich gebe zu, dass ich Mühe habe mir Spielzusammenfassungen der Schweizer Frauennati anzuschauen, aber da geht es mir ähnlich bei Champions League Zusammenfassungen.

Seien wir ehrlich: Frauenfussball liegt körperlich und technisch weit hinter den Männern zurück. Aber wer darauf herumhackt, hat es meiner Meinung nach trotzdem nicht verstanden. Fussball wird in ganz unterschiedlichen Weisen gespielt, von den Junioren, über die tiefsten Ligen, Senioren, Profis, Amateure, Männer und eben Frauen.

Ich habe es nie verstanden, wie alle immer und überall irgendwie Fussball auf dem Niveau von Profimännern erwarten. Man kann sich doch durchaus auch ein grottiges Juniorenspiel geben. Ein Frauenspiel ist da gegenüber gewissen Juniorenspielen eine echte Augenweide und oft deutlich fairer noch dazu.

Ich bin etwas skeptisch wenn Frauenfussballerinnen über gleiche Behandlung gegenüber den Männern sprechen. Ja, es stimmt, dass viele Fussballvereine noch in einem Zeitalter feststecken, das praktisch nur auf Männer und Jungs ausgerichtet ist. Garderoben, WCs und Plätze für Frauenteams oder auch nur einzelne Mädchen im Juniorenbereich sind teilweise katastrophal ausgestattet. Wie viele Male musste ich als Schiedsrichter meine Garderobe verlassen, nur damit das einzige Mädchen eines Juniorenteams sich in der Schirigarderobe noch schnell duschen konnte? In Basel haben sich mehrere Frauenteams zum FFV Basel zusammengeschlossen, weil die Männerteams immer Vorzug hatten bei den Trainingsplätzen. Das muss sich schleunigst ändern.

Dass es auch bei den Frauen ein Profitum mit einem gewissen Mindeststandard an Annehmlichkeiten braucht, ist ebenfalls klar. Aber auch hier müssen wir ehrlich sein. Warum gibt es diesen riesigen gender pay gap im Fussball? Männerfussball lässt sich schlichtweg besser vermarkten. Und wenn ich hier von Männerfussball spreche, meine ich vor allem der Profifussball in den höchsten Ligen und nicht mal unbedingt der Schweizer Liga.

Ich gehöre definitiv nicht zu denen, die sich nur noch Amateurfussball wünschen, sicher nicht für die besten Frauen. Aber hier ein breites Profitum zu finanzieren, ohne dass da noch anteilsmässig etwas angemessenes zurückkommt, kann nicht die Lösung sein.

Wer nur Champions League schauen möchte, weil er sonst nur enttäuscht wird, über angeblich mangelhaftes Niveau, kann das gerne tun. Nur haben diese Menschen den Fussball in seiner Vielfalt offensichtlich nie geliebt.

In den Wiler Nachrichten jammert Roland P. Poschung, der mir immer schon suspekt war, wie wichtig ihm sein Zweitinitial und sein Titel als Botschafter der Stadt Wil von 2019 ist, dass Frauen und Männer in der Sauna nicht gleichgestellt werden.

Nicht jede Ungleichbehandlung ist eine Diskriminierung. Es stimmt, dass es in Wil – und vielen anderen Orten – Zeitpunkte gibt, in denen nur Frauen die Sauna besuchen können. Viele Frauen fühlen sich offensichtlich nicht wohl, zusammen mit Männern eine Sauna zu besuchen. Das ist der Grund für Frauensaunen. Es gibt also gute Gründe für diese Ungleichbehandlung und es handelt sich hier nicht um eine Diskriminierung, geschweige denn widerspricht diese Institution “ganz und gar der gesetzlichen Gleichstellung”, wie Poschung behauptet.

Poschung schiebt noch einen Pseudokompromissvorschlag vor, dass es ja einfach einen Halbtag nur für Männer und einen nur für Frauen geben soll. Dass Männer unter sich die Sauna besuchen wollen, ist mir neu. Das ist für mich kein echter Kompromiss.

Spannender wäre die Frage, wie die Sportanlage Bergholz zu trans Frauen in der Frauensauna stehen würde. Aber das wäre einen eigenen Text wert.

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Interessant fand ich übrigens die Stellungnahme des Deutschen Sauna-Bunds.