Johannes Leutenegger

Blog über Fussball, Kaffee, Populärkultur, Magic: The Gathering, Politik, Veganismus...

Hämmerli hebt ab nach dem 2:2 in letzter Sekunde. Interessant sind auch die Reaktionen der Aarauer Zuschauer:innen. Hämmerli hebt ab nach dem 2:2 in letzter Sekunde. Interessant sind auch die Reaktionen der Aarauer Zuschauer:innen. (Bild: Gianluca Lombardi.)

Nach Aarau zu fahren ist seit 10 Jahren zwei Mal im Jahr für Wil-Fans üblich. Praktisch immer war Wil der Aussenseiter und trotzdem lässt sich die Bilanz (abgesehen von der laufenden Saison) mehr als sehen.

Die Wiler starteten sehr stark in die Partie. Druckvoll, aggressiv, vielleicht etwas zu aggressiv an gewissen Stellen. Die Stimmung war im Brügglifeld extrem aufgeheizt. Vaduz hatte gegen Carouge unentschieden gespielt, Aarau konnte auf Platz 1 und damit den direkten Aufstiegsplatz vorziehen. Es ging also um viel.

Die Wiler konnten frisch aufspielen und man glaubte seinen Augen kaum, die Wiler dominierten die erste Halbzeit. Der Ballbesitz war stellenweise über 60% für die Wiler. Tore fielen aber keine.

Nach der Pause fiel dann das 1:0 für die Gastgeber, sehenswerter Volley von Shkelqim Vladi. Das Tor ging nach so vielen Versuchen in Ordnung. Die Antwort der Wiler folgte gut zwei Minuten später. Nach einem Eckball erzielte Selmonaj den Ausgleich, seinen dritter Treffer wettbewerbsübergreifend, nach zwei extrem wichtigen Treffern gegen Kriens und SG im Cup.

Ich möchte hier einmal Gentrit Muslija ein Kränzchen binden. Wenn ich hier Spielernoten vergeben müsste, Muslija bekäme für dieses Spiel eine glatte 6. Einge dieser Paraden waren, ohne Übertreibung, Weltklasse. Das bisher stärkste Spiel von ihm und das trotz zwei Gegentoren.

In der Schlussphase erhielt der starke Jean-Paul N'djoli eine rote Karte, weil er völlig übermotiviert einen Aargauer von den Füssen holte. Es gab nicht viel zu diskutieren, Ball weit weg, hohes Tempo, hoch angesetzt, seitlich angesetzt. Klare rote Karte. Okay, er hätte noch mit beiden Füssen von hinten foulen können, damit es noch eindeutiger wäre, aber es war genug klar.

Darauf fiel gleich das 2:1. Nach so vielen schönen Versuchen, handelte es sich um ein richtiges “Kacktor”, der sonst nicht so agil wirkende David Acquah, zeigte, wie schnell er seinen Körper drehen konnte und der Ball war drin.

Miese Stimmung im Wil-Sektor. Zwar hatten die Aarauer deutlich mehr Torschüsse, aber es fühlte sich doch falsch an, nach so vielen tollen Paraden Ballklärungen auf der Linie hinten zu liegen.

Ich hatte mich persönlich schon mit einer Niederlage abgefunden, als ausgerechnet der Mann, die Legende Simone Rapp sein viertes und erneut wichtiges Goal erzielte. In der letzten Sekunde.

In meine Freude mischte sich – da bin ich ganz ehrlich – auch etwas Schadenfreude, als ich die wütenden Aarau-Ultras sah. Für Wil war der Punkt aber auch wichtig, wir konnten so den Abstand zu Bellinzona aufrecht erhalten.

Kurze Glosse gegen den FC Aarau

Ich habe nichts gegen den FC Aarau, wirklich nicht. Aber sich über die Aargauer etwas lustig zu machen, ist so einfach.

Seit dem Abstieg vor über zehn Jahren kündigen die Vereinsverantwortlichen und die Fans in der Redaktion der Aargauer Zeitung den Aufstieg an. Jedes Mal scheitern sie wieder. Zum Teil scheitern sie so krass, dass man es als Aussenstehender kaum fassen kann. 2019 beispielsweise: Aarau gewinnt das Hinspiel gegen das schwache Xamax in der Barrage mit 4:0, nur um dann mit 0:4 im Rückspiel zu verlieren und dann im Elfmeterschiessen zu unterliegen.

Oder nehmen wir die Stadionfrage: Seit 2002 spricht man in Aarau von einem Ersatz für das altehrwürdige (böse Zungen nennen es “marode”) Brügglifeld. Jedes Mal wenn man in den Bahnhof Aarau fährt, sieht man die Baubrache, wo das Stadion geplant wäre. Und so spielt man im mitterweile 100 Jahre alten Brügglifeld wohl für weitere 100 Jahre. Das wäre alles nicht so schlimm, wenn die Infrastruktur des Stadions einigermassen im Schuss gehalten wird. Aber sogar bei der Audioanlage wird gespart. Statt in jedem Sektor Lautsprecher zu haben, gibt es diese nur im Sektor der Haupttribüne und die ständigen Werbeansagen während des Spiels werden (leider nicht) über die Köpfe der Gästefans gejagt. Es ist wirklich viel zu laut, immerhin wurden offenbar die Soundeffekte bei Eckbällen eingestellt.

FC Rapperswil-Jona – FC Wil (07.10.2025, Meisterschaft)

Nach einem soliden Match gegen Xamax waren die Erwartung vorsichtig freudig auf den Match.

Wil begann recht gut, dann kam es zum Penalty in der 24. Minute. “So eine Scheisse, jetzt müssen wir wieder einem Rückstand nachlaufen”, dachte ich mir.

Doch es kam viel besser als gedacht. Kamberi schoss gar nicht so schlecht mittelhoch rechts vom Goalie gesehen. Muslija wehrte den Ball ab, als wäre es das einfachste auf der Welt.

Gut eine Minute später, es fühlte sich an wie nur ein Augenblick, erzielten die Wiler weit weg auf der anderen Seite das 0:1. “Heute klappt einfach alles”, dachte ich.

Kurz vor der Pause, Sekunden wie sich in der Zusammenfassung zeigte, fiel das 1:1. So ärgerlich, so in die Pause zu gehen. Doch im Gegenzug schoss ausgerechnet Simone Rapp gleich das 1:2. Verrückt. “Heute gelingt alles.”

Zweite Halbzeit zum Vergessen. Aber 1:2 gehalten und das nicht besonders knapp. Erstaunliche viele Wil-Fans anwesend gute Stimmung, allerdings ist das nach zwei schönen Siegen nicht so ungewöhnlich.

Was soll man noch schreiben in diesen Tagen? Die Erwartungen an das Spiel waren niedrig. Zweitletzter gegen den Tabellenersten, wobei Wil in den letzten Monaten eigentlich nur noch verloren hat. Wobei Aarau so etwas wie der Wiler Lieblingsgegner war, so viele Spiele haben wir einfach aus dem nichts gewonnen.

Mir ist Serge Müller zum ersten Mal bei einem Spiel Winterthur gegen Schaffhausen aufgefallen. Der Rotschopf ist gnadenlos unterschätzt, leider. Er sollte schon lange mindestens in der Super League spielen. Ich gönne ihm jeden Erfolg. Also fast jeden. Dass er das Tor zum 1:0 erzielte, gönne ich ihm nicht.

Wil war erstaunlich kreativ, in der Verteidigung haben sich die Aarauer gegenseitig angefaucht und die Hände verworfen. Eigentlich ein gutes Zeichen, was aber nicht dazu führte, dass Wil auch mal ein Tor schoss.

In der Zusammenfassung habe ich Rapp in der zweiten Halbzeit gesehen, der den Ball auch aus eins oder zwei Metern nicht über die Linie gebracht hat. Tragisch und dann kam noch das 2:0 für Aarau.

Ich bin diese Woche nach München gereist und habe dort diverse Restaurants und Cafés besucht, hier ein paar Eindrücke davon.

Kulinariat

Für 55 Euro ein gehobenes Dreigangmenü. Auf Wunsch wurde das ganze auch vegan gestaltet. Voranmeldung wird allerdings geschätzt. Ganz generell haben wir nur noch ausnahmsweise einen Platz ohne Reservation bekommen.

Portionen sind für Haute Cuisine relativ grosszügig, für “normale” Küche eher klein. Kulinariat

Kanso Coffee Lab

In Italien ist es in altmodischen Kaffees so, dass die Baristas dort Kittel, Hemd und Krawatte arbeiten. Im Kanso Coffee Lab – etwas versteckt in einem Innenhof in der Münchner Altstadt – haben die Angestellte rote Kittel an, was ja zum Namen des Lokals passt.

Ich habe dort einen Filterkaffee (4.50 EUR) genommen, aus Sidamo, Äthiopien, einen Mixed Heirloom Natural. Sehr sanfte Geschmacksnoten, weisser Tee und Honig unter anderem. Kaffee übrigens von Hand gebrüht. Kanso Coffee Lab

Stray Coffee

Dort noch früh einen Batch Brew (3.50 EUR) bekommen. Dort einen gewaschenen kenianischen Kaffee bekommen. Interessanter intensiver fermentierte Noten als beim Natural von Kanso Coffee Lab.

Stray Coffee versucht sich so auszuzeichen, dass sie die Farmgate und FOB Preise auf den Verpackungen der Kaffees ausgewiesen haben. Mit über 4 USD pro Pfund waren die Preise deutlich über dem Preis an anderen Orten mit etwa 2 USD. Ich habe diese Art der Transparenz sonst nur bei Drip Roasters in Bern gesehen. Stray Coffee Roasters

Ich werde einfach nur noch müde angesichts dieser Spiele.

Persönlich war schon die Anreise mit Frustration verbunden. Dass das Spiel bereits 19.30 Uhr angekündigt war, bedeutete, dass ich erst in der 35 Minute ankam. Ich habe natürlich den Bus in Nyon wieder nicht pünktlich erreicht und beim Einlass gab es wieder Ärger. Als ich ankam, lag Wil bereits 2:0 zurück.

Es wurde auch nicht besser. In der Nachspielzeit gab es noch einen Ehrentreffer.

Die Wiler beschränkten sich stark auf Flanken in die Box, die dann irgendwie herumgeköpft wurden. Im Mittelfeld liefen die Äbtestädter dem Ball einfach nur hinterher.

Nach der überraschend guten Leistung gegen den Tabellenführer der NLA im Cup war wieder trister Meisterschaftsalltag angesagt. Simon Dudle rief über 800 Zuschauer aus. Tatsächlich waren es vielleicht 200 und ein paar Verquetschte. Man konnte sich im Sektor D wieder frei bewegen. Bellinzona war mit einem ansehnlichen Block vertreten. Das zeigt: Für Bellinzona geht es ums Überleben.

Bellinzona hatte gegen das – zugegebenermassen diese Saison starke – Vaduz 6:0 auf die Kappe gekriegt, gegen Xamax ein 5:1 kassiert. Und dies gerade, oder vielleicht gerade deswegen, in einer schwierigen Situation des Vereins. Der Präsident ist zurückgetreten, der Club gehört jetzt einem spanisch-kolumbianischen Typen. Ich weiss, als Wiler sollte man da nicht mit Steinen werfen, sass man doch selber mal im Glashaus.

Für Wil bedeutete das, wenn sie gegen Bellinzona kein Tor machen, gegen wen dann sonst. Und ja, genau das traf ein. Das Spiel ging ohne Ergebnis 0:0 aus. Ich glaube mich noch zu erinnern, dass sich einige Bellinzona nach dem Spiel abgeklatscht haben, aber vielleicht spielt mir da meine Erinnerung einen Streich.

Eigentlich gut begonnen, mit einem Penalty in Führung gegangen. Offenbar hat Ndau in seiner Karriere noch keinen Penalty verschossen, heute wäre es beinahe soweit gewesen.

Dann das dämliche Foul von Kaiba, der eigentlich super war bis dahin. Anschliessend ging es eigentlich nur noch abwärts. Zwar hat man die Führung irgendwie noch in die Kabine gebracht, nachher ging es bald los. Demhasaj mit zwei Toren und dann noch ein drittes, was man unter die Kategorie “im Aufbauspiel Ball verloren unter viel Risiko” verbuchen kann.

Gefallen haben mir vor allem Diarra und Saho. Eine unglaubliche Leistung von den beiden.

Die Rapperswiler liessen den Auftakt des Spieles einfach mal geschehen. So schien es zumindest. Die Wiler konnten quasi bis zur Mittellinie problemlos laufen und auch sonst waren die Pässe meistens recht gut. Aber Tore gab es keine, nicht einmal echte Torchancen.

Der gefühlt erste Torschuss der Rapperswiler ging rein, gleich darauf folgten das 0:2.

Nach der Pause kamen die Wiler wieder mit Vollgas aus der Kabine. Wirklich Chancen gab es allerdings wieder keine und dann fiel auch schon das 0:3, letztlich die Entscheidung.

Nach dem über die Linie gewürgten Treffer von Jacovic keimte noch etwas Hoffnung auf. Aber vergebens. Eine echte Chance gab es auch nicht mehr.

Einziges erfreuliches ist, dass Hämmerli jetzt offensichtlich auch der Meinung ist, dass man hier nicht mehr herumreden kann. Das kann, muss besser werden.

Dass es im Waadtland nicht ganz einfach werden würde war klar. Umso mehr überraschend war es, dass es zur Pause noch 0:0 stand, das schwächere Wil doch mithielt und ein paar Chancen hatte. Die Mannschaft konnte nach der Pause dann noch ein paar weitere Chancen reinholen, aber kein Tor erzielen konnte. Ein ganz übler verfehlter Schuss gelang Borges.

Yverdon war präsenter, machte das erste Tor. Legte ein Penaltytor nach. Und in der Nachspielzeit “räbelte” es nochmals zweimal. Das 4:0-Päckli war geschnürrt. Im Resultat etwas zu hoch. Aber wenn interessiert das. Die Tore waren auch nicht gestohlen.

Überzeugend war vor allem Djawal Kaiba. Der Kameruner bringt richtig viel Kraft ins Offensivspiel, leider ändert sich das mit dem schwächelnden Sturm von Abazi und Borges nichts am Resultat. Hinten ist neben dem praktisch immer soliden Schmid vor allem Muslija hinten ein richtiger Rückhalt, zumindest kann ich das über seine Leistung in der ersten Halbzeit sagen.

Und ich mache mir nun Sorgen darüber, ob die Wiler bis zum Derby gegen St. Gallen am 20. September bereit sind.

Es ist 13 Jahre seit dem letzten Zusammentreffen her. Ich war damals 19 und stand kurz vor der Matura. So viel ist seither passiert...

Irgendwie in die zweite Runde gekommen. Schönheitspreise wurden dabei keine gewonnen.

Die Krienser erzielten in der ersten Halbzeit bereits früh den Führungstreffer, die Wiler liefen diesem 1:0 nur noch hinterher. In der zweiten Hälfte besonders in den ersten zehn und den letzten zehn Minuten sehr engagiert, mit tollem Passpiel aber grossen Schwächen vor dem Tor. Mit der letzten Aktion tief in der Nachspielzeit brachten die Wiler das Spielgerät dann doch noch über die Linie. Warum, wie, wieso erst so spät, das sind alles Fragen, die weiterhin ungeklärt bleiben müssen.

In der Nachspielzeit schon der nächste Schock. Nach nicht einmal einer halben Minute zappelt der Ball schon wieder im Netz, dieses Mal ist es das Tor, dass den Wilern zugeteilt wurde. Unfassbares Gefühl.

Dann reagieren die Wiler aber, gleichen aus, schiessen dann sogar den Führungstreffer. Unfassbares Gefühl.

Kurz vor dem Ende der ersten Verlängerung zappelt der Ball schon wieder im Wiler Tor. 3:3? Nein, Foul meint der Schiri. Oder war es Abseits? Egal, Wil geht mit der Führung in die kurze Pause.

Am Ende spielen die Wiler die Partie sauber mit 2:3 fertig.

Besonders hervorzuheben ist Tim Staubli, der unglaublich wirblig vor dem Strafraum hin- und hergerannt ist. Am Ende des Spiels konnte er kaum mehr laufen. Grossartiger Typ.

Passend, dass genau Staubli das 1:1 erzielte. Er hat es verdient!